Abschlussfest in Ulm/Neu-Ulm mit Bischöfen der beteiligten Kirchen und Peter Maffay




Am 2. Juli 2011 haben die Bischöfe der beteiligten Kirchen und Peter Maffay in Ulm/Neu-Ulm die Donau-Friedenswelle gewürdigt. Damit ging das letzte internationale Projekt im Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt zu Ende. Mehr Infos finden Sie hier in einemBericht des epd.
Auch die Südwestpresse hat über das Fest berichtet. Den Artikel finden Sie hier zum Download.
Das Kirchenfernsehen hat einen schönen Bericht gebracht. Schauen Sie sich den Beitrag unter www.kirchenfernsehen.de mit dem Suchwort Donaufriedenswelle an.
 
Der Schirmherr Peter Maffay hat eine bewegende Rede gehalten. Die Rede steht hier zum Download bereit.
 
 
Der Landesbischof der Evang. Landeskirche in Württemberg, Dr. h.c. Frank Otfried July, grüßte die Gemeinde mit folgenden Worten:
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“Amos 5,24
 
Ich denke an die Menschen in der Vergangenheit, die sich hier in Ulm auf die „Ulmer Schachteln“ begeben haben, um die Donau entlang zu fahren und eine neue Heimat zu suchen. Das waren Bootsflüchtlinge der damaligen Zeit.
Sie haben diese Boote aus verschiedenen Gründen bestiegen, sie waren Wirtschaftsflüchtlinge, aber sie waren auch Menschen auf der Suche nach neuer Gerechtigkeit und Recht.
Welche Gedanken und welche Gebete mögen sie begleitet haben?
Manche der Nachfahren der damaligen Auswanderer sind zurückgekommen – auch wieder auf der Suche nach wirtschaftlichem Wohlstand, aber auch auf der Suche nach Gerechtigkeit und neuem Recht.
Die Donau – ein Fluss, der strömt, dem sich Menschen anvertrauten, um Gerechtigkeit zu finden.
Die Donau – ein Strom, an dessen Ufer Ungerechtigkeit, Rechtsbeugung, Völkerhass, Sünde sich ereigneten.
Die Donau – ein Fluss, der uns zum Friedenszeichen werden soll.
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“
Die Flüchtlinge, Migranten, Ausgegrenzten sind nicht Objekte unserer Barmherzigkeit, sondern Gott spricht ihnen sein Recht zu, und wir haben Rechtsnachfolger zu sein. Gott schenkt uns Recht und macht uns recht. Als gerecht Gemachte teilen wir die Früchte seiner Gerechtigkeit und wollen Recht fließen lassen.
Mag uns die Donau ein Symbol für den Strom des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe werden.
Zeigen wir als Kirchen, dass uns die nationalen, ethnischen Grenzen nicht trennen, sondern dass Christus vereint.
Lassen wir uns vom Wasser des Amos erfrischen und Rechtsnachfolger werden.
„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“
 
 
Der Generalsekretär des ÖRK, Dr. Olav Fykse Tveit, predigte bei der Abschlussveranstaltung im Ulmer Münster. Lesen Sie hier die Predigt.

 
Die Bischöfe der beteiligten Länder nahmen an der Abschlussveranstaltung Stellung zum Thema Migration
 
Dr. Michael Bünker, Bischof der Evang. Kirche A.B. in Österreich
„Migration ist ein Aufreger. (…) Dabei gehört doch Migration zu den meisten Familienge­schichten in unserem Land dazu. Mein Wiener Blut zum Beispiel setzt sich aus Schweizer Kirschwasser, polnischem Wodka, bosnischem Slivovitz und steirischem Kernöl zusammen – mit einem kräftigen Schuss Kärntner Zirbenschnaps…“
 
Dr. Miloš Klátik, Generalbischof der Evang. Kirche A.B. in der Slowakei
„Migration bedeutet für mich, das zu Hause zu verlassen, – es nur noch als bestimmtes Hinterland zu wissen. Es bedeutet nicht nur Fremde, Einsamkeit, sondern auch anschließend neue Beziehungen, neue Lebenssituation für Menschen, die sich dazu entschlossen haben. Gleichzeitig bedeutet es auch, Einfluss auf das Leben eines Menschen oder die Kultur des Volkes sowie auch einen Einfluss auf das religiöse Leben.“
 
Reinhart Guib, Bischof der Evang. Kirche A.B. in Rumänien
Bischof Guib entstammt einer siebenbürgisch-sächsischen Familie. Die Jahre unmittelbar nach der Rumänischen Revolution vom Dezember 1989 waren durch die massenhafte Auswanderung der Siebenbürger Sachsen nach Deutschland geprägt, wodurch auch die Zahl der Glieder der evangelischen Kirchengemeinden rapide zurückging. Auch viele Pfarrer der evangelischen Landeskirche verließen Rumänien, doch Reinhart Guib entschloss sich zu bleiben.
 
Dr. h.c. Frank Otfried July, Landesbischof der Evang. Landeskirche in Württemberg
„Immer, wenn ich am Pfingstmontag mit den vielen evangelischen Migrantengemeinden in Stuttgart Gottesdienst und danach ein fröhliches Fest mitfeiere, wird mir erneut deutlich, wer und was Migrantinnen und Migranten sind: Nicht Objekte unserer Barmherzigkeit oder Objekte von administrativen Vorgängen, sondern Schwestern und Brüder, die Rechte haben.
Keiner von uns wird die Augen verschließen vor den großen Herausforderungen und Schwierigkeiten, keiner von uns wird aber auch die Augen verschließen vor dem Schicksal der Migrantinnen und Migranten.“
 
Dr. Johannes Friedrich, Landesbischof der Evang.-Luth. Kirche
„Migrantinnen und Migranten stellen unsere Tradition zum Teil in Frage, aber sie bieten zugleich auch die große Chance der gegenseitigen Bereicherung, indem sie ihre Erfahrungen einbringen und mit uns in einen Austausch darüber eintreten, was die Mitte unseres Glaubens ist. Wo verschiedene Traditionen auf einander, treffen soll der Respekt voreinander verhindern, dass sich der eine oder die andere zurückgesetzt oder verachtet fühlt. Als Landesbischof versuche ich mich dafür einzusetzen, dass dies auch gelingt“.


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